Die Herausforderung: Das notwendige Fachwissen ist intern häufig vorhanden, die Kapazität für Konzeption, Koordination und Umsetzung zusätzlicher Projekte jedoch nicht. Genau hier kann ein externer Projektmanager für Arbeitssicherheit unterstützen.

Warum Arbeitssicherheitsprojekte zusätzliche Ressourcen benötigen

Die Anforderungen an die betriebliche Arbeitsschutzorganisation sind umfangreich. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nennt unter anderem Verantwortlichkeiten, Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen, Qualifikationen, Kommunikation, Fremdfirmenmanagement und Notfallmaßnahmen als Bestandteile einer funktionierenden Arbeitsschutzorganisation.

Für HSE- und EHS-Abteilungen bedeutet das bereits im Tagesgeschäft ein breites Aufgabenspektrum.

Kommen zusätzliche Projekte hinzu, entstehen schnell Kapazitätsengpässe. Ein neues Sicherheitskonzept muss beispielsweise entwickelt, mit unterschiedlichen Fachbereichen abgestimmt, kommunikativ begleitet und schließlich an mehreren Standorten oder Produktionsbereichen umgesetzt werden.

Dabei liegt das Problem häufig weniger im fehlenden Fachwissen als in der fehlenden Zeit für konsequentes Projektmanagement.

Was übernimmt ein externer Projektmanager für Arbeitssicherheit?

Ein externer Projektmanager ergänzt die bestehenden HSE- oder EHS-Strukturen zeitlich begrenzt und mit einem klar definierten Projektauftrag.

Mögliche Aufgaben sind beispielsweise:

  • Planung und Steuerung von Arbeitssicherheitsprojekten
  • Entwicklung und Umsetzung von Sicherheitskampagnen
  • Konzeption und Organisation von Safety Days
  • Koordination verschiedener interner und externer Beteiligter
  • standortübergreifende Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen
  • Entwicklung neuer Formate zur Sicherheitskommunikation
  • Projektcontrolling und Dokumentation
  • Unterstützung bei Rollouts und Veränderungsprozessen

Der externe Projektmanager ersetzt dabei nicht automatisch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und übernimmt auch nicht die grundsätzliche Verantwortung des Arbeitgebers für den Arbeitsschutz. Die BAuA stellt ausdrücklich klar, dass diese Verantwortung beim Arbeitgeber verbleibt.

Seine Aufgabe ist vielmehr, vorhandene Strukturen durch operative Projektkompetenz und zusätzliche Umsetzungskapazität zu ergänzen.

Wann lohnt sich externe Unterstützung?

Besonders interessant ist das Modell für Unternehmen, bei denen zusätzlicher Ressourcenbedarf nicht dauerhaft, sondern projektbezogen entsteht.

Typische Situationen sind etwa ein größerer Rollout, die Einführung eines neuen Sicherheitskonzepts, ein neuer Produktionsstandort oder eine umfangreiche Sicherheitskampagne. Auch bei kurzfristigen Kapazitätsengpässen kann externe Projektunterstützung sinnvoll sein.

Für Unternehmen entsteht dadurch die Möglichkeit, zusätzliche Ressourcen genau für den Zeitraum einzusetzen, in dem sie benötigt werden, ohne dafür dauerhaft weitere interne Stellen aufzubauen.

Gerade bei mehreren Standorten kann zudem eine zentrale Projektsteuerung helfen, einheitliche Standards und Maßnahmen in unterschiedlichen Werken umzusetzen.

Arbeitssicherheit nicht nur organisieren, sondern erlebbar machen

Ein weiterer Einsatzbereich liegt in der Sicherheitskultur.

Regeln und Unterweisungen sind unverzichtbar. Für eine nachhaltige Sicherheitskultur reicht es jedoch nicht aus, Informationen ausschließlich bereitzustellen. Sicherheit muss in Prozesse, Führung und den betrieblichen Alltag integriert werden.

Auch die DGUV betont die Bedeutung einer systematischen Integration von Sicherheit und Gesundheit in betriebliche Strukturen und Abläufe.

Arbeitssicherheitsprojekte können deshalb bewusst Formate einsetzen, die Mitarbeitende aktiv einbeziehen. Denkbar sind beispielsweise interaktive Safety Days, praktische Simulationen, Sicherheitsparcours, Aktionen direkt in Produktionsbereichen oder zielgruppenspezifische Sicherheitskampagnen.

Damit entwickelt sich Arbeitssicherheit von einer reinen Pflichtaufgabe hin zu einem Thema, das im Unternehmen sichtbar und erlebbar wird.

Externe Projektmanager als Ergänzung interner HSE-Strukturen

Externe Unterstützung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn ein Unternehmen intern über die notwendige Arbeitsschutzkompetenz verfügt, für zusätzliche Projekte jedoch Zeit, Projektmanagement oder Umsetzungskapazität benötigt.

Die internen Verantwortlichen behalten dabei die fachliche Steuerung und Unternehmenskenntnis. Der externe Projektmanager übernimmt definierte Arbeitspakete und sorgt dafür, dass Projekte geplant, koordiniert und umgesetzt werden.

So können interne HSE- und EHS-Teams entlastet werden, ohne die bestehenden Verantwortlichkeiten und Strukturen zu ersetzen.

Fazit

Ein externer Projektmanager für Arbeitssicherheit ist vor allem dann interessant, wenn konkrete Sicherheitsprojekte auf begrenzte interne Ressourcen treffen.

Von einzelnen Safety Days über Sicherheitskampagnen bis zu standortübergreifenden Projekten können zusätzliche Projektressourcen dafür sorgen, dass gute Konzepte nicht an fehlender Umsetzungskapazität scheitern.

 

Arbeitssicherheitsprojekt geplant, aber intern fehlen Kapazitäten?

Integion unterstützt Unternehmen mit erfahrenen Projektmanagern bei der Konzeption, Koordination und operativen Umsetzung von Projekten im Bereich Arbeitssicherheit. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Maßnahmen, die Arbeitssicherheit im Unternehmen praxisnah und erlebbar machen.

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Interview zum Behavior-based Safety (BBS)-Ansatz

Mehr Sicherheit am Arbeitsplatz durch individuelle Verhaltensweisen

Behavior-based Safety (BBS) – dieser Begriff ist vermutlich im Zusammenhang mit der Arbeitssicherheit bekannt. Was dieser Ansatz genau bedeutet und welche Chancen er mit sich bringt, das verrät Lukas Kuppler, Integion-Mitarbeitender (sportliche Leitung BGF), im Interview.  

Wie definiert sich der Behavior-based Safety (BBS)-Ansatz und welche grundlegende Annahme bildet die Basis dieses Ansatzes? 

Lukas Kuppler: Behavior-based Safety (BBS) ist ein Ansatz, der sich auf individuelle Verhaltensweisen konzentriert, um die Sicherheitsleistung am Arbeitsplatz zu verbessern. Die Grundannahme von BBS ist, dass die meisten Arbeitsunfälle und -vorfälle durch unsichere Verhaltensweisen verursacht werden und nicht ausschließlich durch unsichere Bedingungen. Durch die Identifizierung und Modifizierung dieser Verhaltensweisen soll das Risiko von Unfällen verringert werden. 

Welche Schlüsselelemente sind für die Umsetzung von BBS entscheidend und wie tragen sie zur Verbesserung der Sicherheitsleistung am Arbeitsplatz bei? 

L. K.: Zu den Schlüsselelementen von BBS gehören Beobachtungen von Sicherheitsverhalten, Feedback an die Mitarbeitenden, Datensammlung und -analyse, Schulungen, positive Verstärkung und kontinuierliche Verbesserung.  

Welche Kritikpunkte äußern die Gegner des BBS-Ansatzes? 

L. K.: Kritiker argumentieren, dass BBS zu stark auf individuelle Verhaltensweisen fokussiert und systemische Probleme vernachlässigt. Arbeitsunfälle sind aber zu 85% auf das Fehlverhalten einer Person zurückzuführen, sodass BBS am größten Parameter ansetzt. 

Können Sie ein praxisnahes Beispiel für die Anwendung von BBS in einer Produktionsanlage geben, insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsbeobachtungen und die anschließende Datenanalyse?

L. K.: Ein Beispiel für die Anwendung von BBS ist in einer Produktionsanlage, wo Sicherheitsbeobachter regelmäßig das Verhalten der Arbeitenden beobachten und Feedback geben. Die gesammelten Daten werden analysiert, um Trends zu identifizieren und gezielte Schulungen und Maßnahmen werden entwickelt, um sicherheitsrelevante Verhaltensweisen zu verbessern. Best Practices für BBS umfassen das Engagement der Führungsebene, klare Kommunikation, Beteiligung der Mitarbeitenden, regelmäßige Schulungen, effektive Beobachtungen und Feedback, Messung und Bewertung sowie kontinuierliche Verbesserung. Die Integration von BBS in ein umfassendes Sicherheitsmanagementsystem ist entscheidend für den Erfolg. 

Welche Vor- und Nachteile müssen bei der Implementierung von BBS berücksichtigt werden, und wie können Unternehmen die Herausforderungen, wie beispielsweise die mangelnde Akzeptanz der Mitarbeitenden, angehen? 

L. K.: Vor- und Nachteile von BBS müssen berücksichtigt werden. Zu den Vorteilen gehören der Fokus auf individuelle Verhaltensweisen, proaktive Risikominderung, Förderung einer Sicherheitskultur und Beteiligung der Mitarbeitenden. Zu den Nachteilen gehören die Vernachlässigung systemischer Ursachen, Subjektivität bei Beobachtungen, mangelnde Akzeptanz der Mitarbeitenden, Zeitaufwand und fehlende Verbindung zu Unternehmenszielen. Trotz dieser Herausforderungen kann BBS effektiv sein, wenn es sorgfältig implementiert und verwaltet wird.